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Was ist ein Suprapubischer Katheter?
Ein suprapubischer Katheter ist ein Dauerkatheter, der Betroffenen über die Bauchdecke für einen bestimmten längeren Zeitraum eingesetzt wird, um die Blase zu entleeren. Der suprapubische Katheter wird gelegt; d.h. dieser wird dem Betroffenen in der Regel von Fremdpersonen (Pflegepersonal) eingesetzt und in bestimmten Abständen (alle 4 – 6 Wochen) gewechselt. Die Öffnung zur Einführung des suprapubischen Katheters wird dabei im Rahmen einer kleineren Operation hergestellt. Der Urin wird in einen Urinbeutel (Bett-, aber auch Beinbeutel) geleitet.

Suprapubische Dauerkatheter Zur Ansicht einer vergrößerten Darstellung auf die Skizze klicken. – © PROLIFE homecare GmbH
Anwendungsbereich
Der suprapubische Katheter kommt dann zum Einsatz, wenn eine langfristige Urinableitung über einen Katheter sinnvoll ist und die Entleerung der Blase nicht über den Harnweg vollzogen werden kann.

Eine langfristige Urinableitung über einen Katheter kann bei den folgenden Diagnosen sinnvoll sein:

Anwendungsbereich
  • Blasenauslassobstruktion (eine Blockade in der Blase verhindert ganz oder teilweise, dass der Urin über die Harnwege nach draußen gelangt) bei Betroffenen, die eine Operation vor sich haben bzw. bei denjenigen, bei denen eine Operation nicht mehr möglich ist;
  • Chronischer Harnrückstau aufgrund einer neurologischen Verletzung bzw. Erkrankung, bei denen ein intermittierender Selbstkatheterismus nicht möglich ist;
  • Betroffene, die ebenfalls an einer schweren geistigen Behinderung oder Koma leiden;
  • Harninkontinenz, die nicht anders behandelt werden kann und wo eine Dauerkatherisierung die Lebensqualität des Patienten erhöht.


Eine Entleerung der Blase über den Harnweg kann bspw. in folgenden Fällen nicht erfolgen:
  • Schmerzempfinden (Harnwegtrauma): Der Einsatz und die Entnahme des transurethralen Dauerkatheters kann bei Betroffenen mit Schmerzempfinden verbunden sein und zu einem Harnwegstrauma führen;
  • Medizinische Umstände: Verletzungen der Harnwege oder andere Erkrankungen (bspw. Nekrosen im Harnweg, Blasentumor, kleiner oder fibriotischer Blase) schließen die Nutzung des Harnwegs für den Urinablass aus;
  • Äußere Umstände: aufgrund bestimmter Gegebenheiten (bei eingeschränkter Mobilität bspw. bei Nutzung eines Rollstuhls) eignet sich der Harnweg nicht für den Urinablass;
  • Individuelle Abneigung: In einigen Fällen können die Betroffenen die Anwendung eines transurethralen Dauerkatheters ablehnen (bspw. sozio-kulturelle Gründe; Bedürfnis Sexualität frei auszuüben).


Kontraindikation für die Anlage eines suprapubischen Katheters sind:
  • Blasentumor
  • Hämorrhagische Diathese
  • Unzureichende Blasenfüllung
  • Schwangerschaft
  • Hautinfektionen am Punktionsort
  • Adipositas per magna
  • Schrumpfblase
  • Ileus
  • Überaktive Blase
  • Komplexer gefässchirurgischer Eingriff (z.B. femoro-femoraler Cross-over-Bypass)
Der suprapubische Katheter kann bei Harninkontinenz von Männern oder Frauen eingesetzt werden.
Produktvarianten
Suprapubische Katheter lassen sich nach den folgenden Kriterien systematisieren:
  • Zweck (Punktion / Wechselset): Zweck, für den der suprapubische Katheter eingesetzt wird.

    Ein Punktions-Set wird im Zusammenhang mit der Erstanlage (Erzeugung des Loches in der Region des Bauchnabels) des suprapubischen Katheters benötigt. Das Punktions-Set enthält in der Regel neben dem suprapubischen Katheter eine Splittingkanüle, die den Weg für den suprapubischen Katheter bahnt.

    Ein Wechsel-Set wird post Erstanlage eingesetzt. Das Wechsel-Set beinhaltet neben dem Katheter einen Führungsdraht.

  • Material: Silikon oder andere Materialien
    Suprapubische Katheter mit Ballon nutzen in der Regel Silikon; solche mit Pigtail nutzen ein anderes Material (bspw. Certon)
  • Durchmesser: Der Durchmesser wird in Charrière gemessen und entspricht ⅓ mm; die einzelnen Größen sind standardisiert und sind durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet. Die Größen variieren zwischen 10Ch und 15Ch.
  • Ballon / Pigtail: „Ballon“ oder „Pigtail“ sollen dem Katheter in der Blase Halt geben bzw. diesen in der Blase „blocken“. Der Ballon hat Größen von 2,5 bis 15 ml. Beim Pigtail passt sich das gebogene Ende des Katheters im Inneren der Größe der Blase an. Für die Erstanlage nutzt man oft einen suprapubischen Katheter mit Pigtail-Ende.
  • Urinbeutel im Set: Das Kathether-Set des suprapubischen Katheters kann einen Urinbeutel beinhalten.
Vor- und Nachteile
Folgende Vor- und Nachteile sollten beim Einsatz des suprapubischen Katheters im Einzelnen gegeneinander abgewogen werden:

+
Vorteile
  • Relativ einfache Anlage: Die Anlage des suprapubischen Katheters kann relativ einfach vollzogen werden. Voraussetzung ist eine (kleinere) Operation, bei der eine Öffnung am Adomen eingerichtet wird, durch die der transurethrale Dauerkatheter eingeführt wird. Es gibt Pflegekräfte, die in Anlage / Wechel des suprapubischen Katheters ausgebildet bzw. speziell geübt sind.
  • Schutz der Harnröhre: Die Harnröhre wird geschützt; d.h. Harnwegsverletzungen, die beim transurethralen Dauerkatheter auftreten können, werden hier vermieden.
  • Ausschluss Risiko von Harnwegsinfektionen: Harnwegsinfektionen im Zusammenhang mit der Übertragung von Bakterien, die als Folge des Einsatzes eines transurethralen Dauerkatheters eintreten können, sind ausgeschlossen.
  • Blasenspülung: es besteht die Möglichkeit, bestehende Blutgerinnsel und Infektionen in der Blase herauszuspülen.


Nachteile
  • Operativer Eingriff: Die Anlage der Öffnung zur Einführung eines suprapubischen Dauerkatheters erfordert einen medizinischen Eingriff (mit den allgemeinen Risiken einer Operation);
  • Individuelle Abneigung: Einige Betroffene lehnen die Nutzung eines suprapubischen Dauerkatheters ab, da eine Öffnung am Abdomen ihr Körperbewusstsein stört.
  • Infektionen: Infektionen können schwerwiegender sein; bspw. Peritonitis
Zubehör
Für die Anwendung eines suprapubischen Dauerkatheters gibt es verschiedenes Zubehör. Hierzu gehören u.a. sterile Handschuhe, Hände-Desinfektionsmittel und Kompressen zur Desinfektion.