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HARNINKONTINENZ

Harninkontinenz – was ist das?
In Deutschland leiden über acht Millionen Menschen an einer Harninkontinenz (auch als Urininkontinenz bezeichnet), wobei die Dunkelziffer sicher höher liegt. Denn für die Betroffenen bedeutet eine Harninkontinenz nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein soziales sowie hygienisches Problem. Betroffen sind beide Geschlechter in jedem Alter. Im mittleren Lebensalter sind Frauen deutlich häufiger von einer Harninkontinenz betroffen als Männer. Im fortgeschrittenen Lebensalter gleichen sich bedingt durch Demenz und sinkende Mobilität die Zahlen an.

Die Harninkontinenz ist national und international definiert als die fehlende Fähigkeit, den Blaseninhalt zu speichern und selbstbestimmt zu entleeren. Der Begriff umschreibt den Zustand eines unwillkürlichen Urinverlustes jeglichen Ausmaßes. Die Ursachen sind vielfältig. Grundsätzlich werden folgende Formen der Harninkontinenz unterschieden:
  1. Belastungsinkontinenz, früher auch Stressinkontinenz genannt. Sie ist gekennzeichnet durch einen unwillkürlichen Urinabgang bei körperlicher Belastung aufgrund einer Schwäche (Insuffizienz) des Verschlussmechanismus der Harnröhre.
  2. Dranginkontinenz (Urgeinkontinenz) oder auch Syndrom der überaktiven Blase (OAB) mit ungewolltem Urinabgang. Der unwillkürliche Urinverlust steht in Verbindung mit einem starken Harndrang aufgrund einer Druckerhöhung der Harnblase.
  3. Überlaufinkontinenz. Betroffe einer Überlaufinkontinenz haben meist Schwierigkeiten, ihre Harnblase zu leeren (aufgrund von Abflussbehinderungen oder einer Muskelschwäche). Durch den starken Druck der vollen Harnblase kommt es zu einem unwillkürlichen Urinabgang.
  4. Reflexinkontinenz. Bei einer Reflexinkontinenz sind die Strukturen, die die Nervenimpulse aus Gehirn oder Rückenmark auf die Blase übertragen, geschädigt oder erkrankt. In Folge geht die Kontrolle über die willkürliche Blasenentleerung verloren.

Harninkontinenz Abb. 1
Abb. 1: Grundformen der Harninkontinenz im Überblick
© bilderzwerg/fotolia.com
Über diese vier Grundtypen der Harninkontinenz hinaus existieren noch
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Carola Eilers, Kontinenz-Beraterin
 
Anatomie der Blase und des Beckenbodens
Pro Tag fließen von den Nieren über die Harnleiter bis zu zwei Liter Urin in die Harnblase. Diese besteht aus einem dreischichtig aufgebauten Harnblasenmuskel, dem M. detrusor, der die Blase umschließt. Die Kontrolle des Wasserhalten oder Wasserlassen erfolgt über einen inneren und einen äußeren Schließmuskel am Ausgang der Harnblase. Der innere Muskel lässt sich nicht willentlich beeinflussen. Der äußere Muskel wird als Teil der Beckenbodenmuskulatur willentlich beeinflusst und kann trainiert werden.

In leerem Zustand ist die Harnblase in sich zusammengefallen und liegt auf dem Beckenboden. Mit zunehmender Füllung dehnt sie sich gleich einem Ballon aus. Je nach Füllungszustand wird die Muskulatur der Blase angespannt oder entspannt - die Muskulatur passt sich den jeweiligen Druckverhältnissen an.

Die Entleerung der Blase, Miktion, hängt von vielen Faktoren ab: Trinkmenge, Lebensalter, Schwitzen, Erkrankungen und hormonelle Besonderheiten. Normal sind vier bis fünf Entleerungen/Tag. Die normale Speicherkapazität liegt bei 400 bis 600 ml. Bereits ab einer Menge von 200 bis 300 ml bekommt der Blasenmuskel über einen Reflex den Befehl, sich zusammenzuziehen. Zu spüren ist das als Harndrang. Aufgrund der Tatsache, dass das Gehirn hemmende Signale zur Harnblase senden kann, kann das Wasserlassen gesteuert werden und kann erfolgen, wenn eine passende Gelegenheit besteht. Zusätzlich kann der äußere Schließmuskel als Teil der Beckenbodenmuskulatur willentlich angespannt werden, um das sofortige Wasserlassen zu verhindern. Wenn der Druckanstieg in der Blasenwand aber zu hoch wird und die Blase ihre Kapazität überschritten hat, wird ein Miktionsreflex ausgelöst. Der Blasenmuskel kontrahiert sich, der innere Blasenschließmuskel öffnet sich und die Blase wird entleert. Durch ein Anspannen der Bauchmuskulatur kann zusätzlicher Druck auf die Blase ausgeübt werden und die Entleerung mit größerer Kraft als durch die Kontraktion der Blasenmuskulatur allein erfolgen. Allerdings wird dazu geraten, auf den zusätzlichen Einsatz der Bauchmuskulatur zu verzichten.
Ursachen der Harninkontinenz
Die Ursachen einer Harninkontinenz sind vielschichtig. Zunächst einmal unterscheidet man eine vorübergehende Inkontinenz von einer permanenten Form.
  • Allgemeine Risikofaktoren für eine Harninkontinenz sind das Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen als Männer), das Alter (im Alter schwindet die Muskelmasse), das Gewicht (Übergewicht drückt auf die Blase) und weitere Erkrankungen wie zum Beispiel Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus).
  • Vorübergehend kann es durch bestimmte Nahrungsmittel zu einer erhöhten Diurese kommen. Typische Beispiele sind vermehrter Kaffee- und Teegenuss, Alkohol, kohlensäurehaltige Getränke, Süßstoffe, Zitrusfrüchte oder auch hohe Vitamin C und B-Dosen. Darüber hinaus können Medikamente gegen Bluthochdruck sowie Beruhigungsmittel (Sedativa) oder auch Muskelrelaxanzien die Urinausscheidung und den Harndrang erhöhen. Auch eine Blasenentzündung oder eine Verstopfung kann zu einer Irritation der Blase führen. Bei einer Verstopfung kommt es im Enddarm zu einer Irritation der Nerven in diesem Bereich und die Blase reagiert überaktiv.
  • Andauernde Harninkontinenz kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Schwangerschaft kann zu Belastungsinkontinenz, eine Geburt ebenfalls zu Belastungsinkontinenz, aber auch Mischinkontinenz führen. Bei Frauen nimmt im Alter die Blasenkapazität ab, in der Menopause bewirken die Hormonumstellung und ein Östrogenmangel eine Schwäche der Schließmuskulatur der Blase. Wird bei Frauen die Gebärmutter entfernt, so kann der Beckenboden in Mitleidenschaft gezogen werden, was sich wiederum auf die Verschlussfähigkeit der Blase auswirkt. Darüber hinaus können Tumoren oder auch Harnsteine den normalen Harnabfluss verlegen, sodass eine Überlaufinkontinenz entsteht. Bei Männern kann in Folge einer vergrößerten Prostata oder aufgrund von Prostakrebs eine Belastungsinkontinenz oder Dranginkontinenz auftreten. Und nicht zuletzt gibt es eine ganze Reihe an neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose (MS), Morbus Parkinson, Demenz, Alzheimer, Rückenmarksverletzungen oder Gehirn-Tumore, die zu einer Beeinträchtigung der Nervenleitfähigkeit und damit zu einer unzureichenden nervlichen Stimulation der Blase führen. Blasenfunktionsstörungen aufgrund einer neurologischen Grunderkrankung werden häufig auch als Neurogene Blase bezeichnet.
Haben Sie Fragen zu den Ursachen einer Harninkontinenz oder wünschen eine kostenlose & unverbindliche Beratung durch unsere Experten?
 

Lässt sich eine Harninkontinenz vermeiden?
Eine Harninkontinenz kann man nicht grundsätzlich und immer vermeiden. Aber das Risiko, eine Harninkontinenz zu entwickeln, lässt sich durch ein paar Verhaltensregeln reduzieren: Gewicht stabil normal halten, Beckenboden trainieren, übermäßigen Kaffeekonsum meiden, ballaststoffreich ernähren.
Diagnose
Eine gute Diagnostik ist die notwendige Vorbedingung, um Harninkontinenz erfolgreich zu therapieren und zu versorgen. Erst so lässt sich Klarheit erlangen, welche Inkontinenzform im konkreten Fall vorliegt, was mögliche Ursachen sind und wie die Therapie aussehen sollte. Dabei wird zwischen der Basisdiagnostik zur Bestimmung von Ausmaß und Form der Inkontinenz sowie weitergehenden Untersuchungen bei Hinweisen auf eine kompliziertere Inkontinenz unterschieden.

Basisdiagnostik bei Harninkontinenz
Zur Basisdiagnostik gehören
  • Eine gezielte Anamnese, in der Vorerkrankungen neurologischer, gynäkologischer oder urologischer Art erfragt werden
  • Eine körperliche Befunderhebung, bei der Bauchraum, Vagina, Rektum untersucht werden. Auch die Blase und die umgebenden Organe werden abgetastet. Bei Frauen ist zusätzlich eine Beurteilung der Beckenbodenmuskulatur und eine Spekulumeinstellung, bei Männern ein Abtasten der Prostata nötig.
  • Eine Urinuntersuchung, bei der der Urin an sich sowie die Menge des in der Blase verbleibenden Urins untersucht werden (Restharn). Auch ist eintscheidend, eine Harnwegsinfektion auszuschließen
  • Eine Miktionsanamnese, bei der ermittelt wird, wann, wie oft und wieviel Urin Sie verlieren. Diese lässt sich ideal über ein Miktionsprotokoll vorbereiten
Sie möchten einen Selbsttest machen und Anhaltspunkte zur Einschätzung Ihrer Situation gewinnen?
 

Erweiterte Diagnostik bei Harninkontinenz
Eine weitergehende Diagnostik erfolgt durch Urologen, falls die Basisdiagnostik Hinweise auf eine komplizierte Harninkontinenz gibt oder alle auf der Basisdiagnostik aufbauenden Therapiemaßnahmen keinen Erfolg brachten. Die weitergehende Diagnostik kann folgende Untersuchungen beinhalten:
  • Bildgebende Verfahren wie z.B. den Ultraschall zur Darstellung von Harnröhre, Blase, Symphyse, Scheide; eventuell auch Gebärmutter und Enddarm
  • Eine Restharnbestimmung, das heißt die Messung der am Ende des Wasserlassens in der Blase verbleibenden Urinmenge
  • Einen Pad-Test, um den Schweregrad des Urinverlusts zu bestimmen
  • Die Urodynamik, die verschiedene Tests (Uroflowmetrie, Zystometrie, Urethradruckprofil) zur Beurteilung der Funktion von Blase und Harnröhre umfasst
  • Eine Blasenspiegelung, die nur dann erforderlich wird, wenn zusätzliche Drangsymptome oder auch Entleerungsstörungen, wiederkehrende Infekte oder Blut im Urin auftreten. Durch die Blasenspiegelung können dann mögliche Ursachen wie z.B. Fisteln, Blasensteine, Blasentumore oder chronische Schleimhautveränderungen abgeklärt werden
Sie sind unsicher, ob oder unter welcher Form einer Harninkontinenz Sie leiden und möchten erste Anhaltspunkte gewinnen?
 
Therapie bei Harninkontinenz
Alle Ergebnisse – sowohl der Basis- als auch der erweiterten Diagnostik – sind Basis einer individuell auf den Patienten und seine Situation zugeschnittenen Therapie. Die Art der Therapie erfolgt in Abhängigkeit von der Form der Harninkontinenz.

Inkontinenzprodukte und Harninkontinenz:

Moderne Inkontinenzhilfsmittel können bei der Bewältigung einer Harninkontinenz im Alltag eine ganz entscheidende Rolle spielen. Sie geben den Betroffenen oft Kontrolle, Sicherheit und Freiheit zurück und ermöglichen so deutlich mehr Lebensqualität. Allerdings gibt es nicht die Standard-Lösung: Medizinische Ursachen und Formen einer Harninkontinenz können ganz verschieden sein. Ebenso sind Lebensstile wie auch persönliche Vorlieben unterschiedlich. Um diesen Unterschieden bestmöglich Rechnung zu tragen, gibt es eine große Bandbreite verschiedener Inkontinenzprodukte. Ganz entscheidend ist, aus dieser Fülle an Möglichkeiten das Inkontinenz-Hilfmittel zu wählen, das eben genau zur individuellen medizinischen Situation und den eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen passt. Hierfür bedarf es zum einen der richtigen medizinischen Diagnose und zum anderen der persönlichen Beratung durch einen kompetenten Hilfsmittelspezialisten, der einen strukturierten Überblick über den Hilfsmittelmarkt hat und gezielt zu Vor- und Nachteilen einzelner Lösungen im Hinblick auf die individuelle Situation beraten kann. So entstehen Lösungen mit Mehrwert, mit denen sich die Betroffenen sicher und wohl im Alltag fühlen und ohne große Einschränkungen leben können.
 „Sie haben Rückfragen oder suchen nach der besten Lösung für Ihre Inkontinenzprobleme? Wir beraten Sie kostenlos & individuell…“
Carola Eilers, Kontinenz-Beraterin
 
Weiterführende Informationen
  • Deutsche Kontinenz Gesellschaft
    Weitere detaillierte Informationen erhalten Sie im Internet auf der Homepage
    der Deutschen Kontinenz Gesellschaft: www.kontinenz-gesellschaft.de
     
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