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Was ist ein Blasenkatheter?
Ein Blasenkatheter ist ein flexibler, hohler Schlauch, der in die Blase eingeführt wird, um Urin abzuleiten. Öffnungen am Ende des Katheters ermöglichen den Urinabfluss durch den Katheter. Am anderen Ende des Katheters kann ein Beutel angeschlossen werden, um den Urin zu sammeln.

Blasenkatheter können für verschiedene Zwecke genutzt werden:
Im therapeutischen Bereich werden sie vor allem bei Blasenentleerungsstörungen (neurogen oder nicht-neurogen bedingt), aber auch bei unfreiwilligem bzw. unkontrolliertem Verlust von Urin (Harninkontinenz) eingesetzt.

Darüber hinaus werden Blasenkatheter auch zum Beispiel kurzfristig vor, während oder nach Operationen genutzt; etwa um die Funktion von Blase und Harnröhre zu beurteilen oder die Nierenfunktion zu prüfen.
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Welche Blasenkatheter-Typen gibt es?
Grundsätzlich werden drei Typen von Blasenkathetern unterschieden:

Skizze Blasenkatheter

  1. Einmalkatheter
    Einmalkatheter sind die Blasenkatheter, die der natürlichen Blasenentleerung am nähesten kommen und als die am wenigsten invasive Form gelten. Sie werden über die Harnröhre in die Blase eingeführt und nach abgeschlossener Urinableitung sofort wieder entfernt. Das Katheterisieren wird mehrmals täglich durchgeführt, um die Blase geregelt zu entleeren. Für jede Katheterisierung wird dabei ein neuer Katheter genutzt.

    Einmalkatheter gelten als bevorzugte Lösung zum Management von Blasenentleerungsproblemen, wenn die Probleme bedeutsam sind und nicht auf anderem Weg einfach gelöst werden können. Dies gilt insbesondere bei Vorliegen einer neurogenen Blase oder bei anderen besonderen Fällen wie einer Ersatzblase, chronischem Harnrückstau aufgrund verschiedener Ursachen oder nach operativen Eingriffen wie zum Beispiel durch eine transurethrale Prostataresektion bei einem Prostataadenom, das die Blasenentleerung stört.

    Speziell gegenüber Dauerkathetern weisen sie deutliche Vorteile auf:

    +
    Vorteile
    • Betroffene können die Blase selbständig entleeren und bestimmen Ort (Stehen, Sitzen, auf der Toilette, im Rollstuhl) und Zeit der Blasenentleerung. Das Unabhängigkeitsgefühl wird somit gestärkt
    • Die Technik wird als relativ sicher angesehen und ist einfach zu erlernen. Komplikationen wie vor allem Harnwegsinfektionen treten im Vergleich zu transurethralen Dauerkathetern eher selten auf
    • Betroffene tragen kein Hilfsmittel am Körper, fühlen sich quasi frei
    • Bei regelmäßiger Durchführung tritt kein Urinverlust auf
    Voraussetzung zur Nutzung sind allerdings eine gute mentale Verfassung sowie eine gewisse manuelle Geschicklichkeit.

    Hier können Sie sich umfassend über Einmalkatheter informieren >>

Dauerkatheter können für diejenigen Betroffenen eine Hilfe darstellen, die Blasenentleerungsschwierigkeiten aufgrund einer neurologischen Störung oder aufgrund von Abflussbefinderungen (zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata) haben und für die Einmalkatheterisierung nicht in Frage kommt.

  1. Transurethrale Dauerkatheter
    Transurethrale Dauerkatheter sind Blasenkatheter, die ebenfalls über die Harnröhre in die Blase eingeführt werden, dort aber vier bis acht Wochen verbleiben. Der Katheter wird durch einen aufblasbaren Ballon in der Harnblase gegen Herausrutschen gesichert. Der Urin wird vom Katheter in einen Urinbeutel abgeleitet, der gewechselt werden kann.

    Transurethrale Dauerkatheter sind einfach anzulegen und haben wenig Kontraindikationen. Allerdings verbinden sich mit ihrer Nutzung wesentliche Risiken. Hierzu gehören unter anderem Harnwegsinfektionen, Verstopfungen und Verkrustungen des Katheters sowie Verletzungen beim Einführen oder Entfernen des Katheters (siehe zu den Risiken hier). Daher sollte fortlaufend geprüft werden, ob der Einsatz dieses Katheter-Typs weiterhin notwendig ist. Falls nicht, sollte er umgehend entfernt werden.

    Hier finden Sie alle Informationen zu transurethralen Dauerkathetern >>

  2. Suprapubische Dauerkatheter
    Suprapubische Dauerkatheter sind Blasenkatheter, bei denen der Katheter nicht über die Harnröhre, sondern durch die Bauchdecke in die Harnblase gelegt wird.

    Gegenüber transurethralen Dauerkathetern haben Sie den Vorteil, dass

    +
    Vorteile
    • Kein Risiko von Verletzungen der Harnröhre während Einführen und Entfernen des Katheters besteht, da der suprapubische Katheter nicht durch die Harnröhre, sondern durch die Bauchdecke gelegt wird
    • Harnwegsinfektionen aufgrund der Umgehung der Harnröhre in einem deutlich geringeren Ausmaß anfallen
    • Natürliche Miktionen möglich sind
    • Eine unbehinderte Sexualität möglich ist
    Andererseits stellen suprapubische Blasenkatheter eine invasivere Form der Katheterisierung dar, erfordern einen kleineren chirurgischen Eingriff bei der Erstanlage. Zudem bestehen für die Nutzung mehr Kontraindikationen wie z.B. Blasen- und Unterbauchtumoren, eine Schrumpfblase, Hautinfektionen am Punktionsort, eine ausgeprägte Adipositas.

    Aufgrund der mit einer transurethralen Dauerkatheterisierung verbundenen Risiken und Komplikationen empfiehlt sich, bei einer längeren geplanten Verweildauer des Katheters (mehr als fünf Tage) die suprapubische Blasendrainage zu wählen.

    Hier können Sie alles über suprapubische Katheter erfahren >>

Aktuelle Produktbeispiele für die verschiedenen Blasenkatheter-Arten:

Beispiele Blasenkatheter Zur Ansicht einer vergrößerten Darstellung auf die Skizze klicken.
Wie sehen Risiken und Vorbeugung aus?
Der Einsatz von Blasenkathetern, speziell von transurethralen Dauerkathetern ist oft nicht komplikationsfrei und birgt Risiken. Große Risiken sind unter anderem Harnwegsinfektionen, Verletzungen der Harnröhre sowie Verstopfungen und Verkrustungen des Katheters.

Harnwegsinfektionen
Das größte Risiko bei der Verwendung von Blasenkathetern stellen Harnwegsinfektionen dar. Dieses Risiko ist bei der transurethralen Dauerkatheterisierung aufgrund der längeren Verweildauer des Katheters am größten.

Zur Begrenzung des Risikos empfehlen sich unter anderem folgende Maßnahmen:


Maßnahmen
  • Grundsätzlich sollte die Dauerkatheterisierung nur von geeignetem Fachpersonal und nach entsprechender medizinischer Indikation vorgenommen werden
  • Es sollte regelmäßig geprüft werden, ob eine transurethrale Dauerkatheterisierung weiterhin nötig ist. Ist dies nicht der Fall, sollte der Katheter sofort entfernt werden
  • Bei absehbarer längerfristiger Verweildauer des Blasenkatheters (größer als fünf Tage) empfehlen sich Suprapubische Dauerkatheter. Aufgrund der Umgehung der Harnröhre führen diese zu weniger Infektionen als transurethrale Dauerkatheter
  • Vor und nach Berühren von Blasenkatheter oder Urinbeutel sollten die Hände desinfiziert werden
  • Sterilität ist sehr wichtig - Zur Katheterisierung sollten nur sterile Materialien verwandt werden
  • Zur Ableitung des Urins sollte bei Dauerkathetern ein geschlossenes Drainagesystem verwendet werden, so dass der Betroffene bei der Harnableitung bestmöglich vor Infektionen geschützt bleibt. Die Verbindung von Katheter und Ableitungssystem sollte nach Möglichkeit nicht getrennt werden. Erfolgt doch eine Trennung, so sollte die Verbindungsstelle jeweils vor Trennung und erneuter Wiederverbindung desinfiziert werden
  • Ein Abknicken von Katheter und Urin-Drainagesytem sollte vermieden werden, um einen sicheren Abfluss des Urins zu gewährleisten
  • Um ein Aufsteigen im Urinbeutel entstehender Bakterien zu verhindern, sollte der Urinbeutel geleert werden, bevor der Urin die Rücklaufsperre erreicht
  • Der Urinbeutel sollte unterhalb der Blase platziert werden, damit der Urin aus der Blase kommend in Richtung Urinbeutel fließt und nicht umgekehrt
  • Die Harnröhrenöffnung sollte mit Wasser und ph-neutraler Seifenlotion täglich gereinigt werden

Verletzungen des Harnröhren-Gewebes
Zusätzlich können beim Einführen eines transurethralen Katheters Verletzungen in der Harnröhre entstehen, die in der Folge selbst nach Abheilung zu Harnröhrenverengungen führen können. Dieses Risiko kann deutlich abgesenkt werden, indem ein steriles Gleitmittel, die richtige Kathetergröße und das richtige Kathetermaterial gewählt werden. Gerade bei längeren Liegedauern des Katheters sollten Vollsilikon- statt Latexkathetern verwendet werden.

Verkrustung und Verstopfung des Katheters
Bestimmte Bakterien, die sich häufig im Urin von Dauerkatheter-Patienten befinden, können letztlich eine PH-Werterhöhung des Urins bewirken. Dies wiederum begünstigt eine Ausbildung von teils scharfkantigen Kristallen an Innen- und Außenseite des Katheters. Dies kann wiederum zu einer Verstopfung des Katheters führen und zudem schmerzhafte Verletzungen bei der Entfernung des Katheters herbeiführen.

Als wirksame Gegenmaßnahme empfiehlt sich eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme, insbesondere auch von zitrushaltigen Getränken wie Orangensaft oder anderen Fruchtsäften mit etwa Zitronen- oder Limetteninhalt.
Quellangaben und weiterführende Informationen
  • Robert Koch-Institut „Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen“
    Die Mitteilung als PDF: Download
Carola Eilers
Autor
Carola Eilers
PROLIFE homecare GmbH
Carola Eilers ist langjährige Kontinenzexpertin bei PROLIFE. Als examinierte Krankenschwester und Bowel Management Nurse hat sie sich seit vielen Jahren auf die Beratung und Betreuung von Patienten mit neurogenen Blasen- und Darmentleerungsstörungen spezialisiert und schult Pflegekräfte und Betroffene im Umgang mit den Hilfsmitteln wie Einmalkatheter oder Anale Irrigation.